Sri Chinmoy

Das Beispiel eines echten spirituellen Meisters

Foto Sri Chinmoy

Sri Chinmoy wurde am 27. August 1931 in Ostbengalen geboren, das damals noch zu Indien gehörte. Heute liegt Sri Chinmoys Geburtsort in Bangladesch, das aus einem Teil Ostbengalens entstand. 1944, nach dem Tod seiner Eltern, folgte er seinen Geschwistern in den Sri Aurobindo Ashram in Südindien.

Leben im Ashram

In der Biografie “Das leuchtende Leben Sri Chinmoys” ist zu lesen: “Von 1944 bis 1964 studierte, betete und meditierte ich dort, trieb Sport und arbeitete in verschiedenen Abteilungen des Ashrams. Zuletzt arbeitete ich als Sekretär von Nolini Kanta Gupta, des Generalsekretärs des Ashrams, der ein großer Gelehrter war.“

Sri Chinmoy verbrachte viel Zeit in der Meditation, hatte zahlreiche hohe innere Erfahrungen und erlangte schon bald einen Bewusstseinszustand, der in unterschiedlichen spirituellen Traditionen, als Erleuchtung, Selbst- oder Gottverwirklichung beschrieben wird. Erleuchtung bedeutet, bleibenden inneren Frieden, bleibende Glückseligkeit und bleibendes inneres Licht zu erfahren. Dazu kommt das dauerhafte Gewahrsein des unsterblichen Teils unseres Wesens und dessen Schöpfer, der im christlichen Sprachgebrauch als Gott bezeichnet wird. Auf dem Weg zur Erleuchtung und der Weiterentwicklung bis zum Bewusstseinzustand des Sahaja-Samadhi erfuhr Sri Chinmoy die innere Unterstützung von zwei spirituellen Meistern. “Für zwanzig Jahre war ich unter der segensreichen Führung von Sri Aurobindo und der Mutter (Mirra Alfassa, die im Ashram “Die Mutter” genannt wurde).”

Sri Chinmoy im Westen

1964 erhielt Sri Chinmoy den inneren Auftrag, nach Amerika zu gehen. Seitdem widmete er sein Leben unermüdlich der Arbeit für den inneren und äußeren Frieden. Bis zu seinem Tod am 11. Oktober 2007, der in Indien im Falle eines spirituellen Meisters wie Sri Chinmoy als Mahasamadhi bezeichnet wird, reiste er regelmäßig um die Welt. Auf seinen Reisen gab er Konzerte mit seiner erhebenden meditativen Musik, hielt Vorträge rund um das Thema Meditation und Spiritualität an Universitäten und unterwies seine Schüler.

Hörprobe von Sri Chinmoys meditativem Flötenspiel – mehr auf: RadioSriChinmoy.org

Friedensmeditationen an der UNO in New York

Im Frühling 1970 wurde Sri Chinmoy von U Thant, dem damaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen, eingeladen, zweimal wöchentlich überkonfessionelle Friedensmeditationen für Diplomaten, Delegierte und Angestellte am Hauptsitz der UNO in New York zu durchzuführen. Über mehr als 37 Jahre hinweg inspirierte Sri Chinmoy die UNO-Gemeinschaft mit diesen Meditationen, Vorträgen, Konzerten und Kunstausstellungen sowie mit anderen Programmen für den Frieden. Die Meditationen und andere Aktivitäten von Sri Chinmoy: The Peace Meditation at the United Nations finden auch heute noch statt.

Sri Chinmoys kreatives Schaffen

Sri Chinmoy war eine Quelle grenzenloser Kreativität. Er hinterlies der Nachwelt ein Werk von 23.000 Liedern, 140.000 Jharna-Kala-Gemälden und nahezu 16 Millionen Friedens-Vogel-Zeichnungen. Sri Chinmoys Gemälde und Zeichnungen enstanden wie in der Zen-Kunst meist in wenigen Sekunden oder Minuten und wurden unter anderem im Carrousel du Louvre in Paris, im Nationalmuseum für Dekorative Kunst in Moskau und im Wiener Künstlerhaus ausgestellt.

“Ich denke, wir können wirklich sagen, dass es für einen Menschen schwer sein würde, die Ausstellung zu betrachten und sich nicht emporgehoben zu fühlen. Sri Chinmoy übersetzt die Freude und Freiheit, die er im meditativen Bewusstseinszustand erfährt, in Farbe und Form.”
Brian Gormley, Dekan der „Manhattan School of Visual Arts“

Video: Eine mit Musik hinterlegte Diashow, die eine Auswahl von Sri Chinmoys farbenfrohen abstrakten Jharna-Kala-Gemälden zeigt.

Friedenskonzerte

In Berlin gab Sri Chinmoy zwischen 1985 und 2005 zehn Friedenskonzerte, mit dem Ziel durch seine Musik inneren Frieden erfahrbar zu machen. Er spielte dabei jeweils je nach Konzertdauer auf 10 bis 20 Instrumenten, darunter die Querflöte und sein Lieblingsinstrument die Esraj, ein obertonreiches indisches Saiteninstrument. Zu den beiden Konzerten im Internationalen Congress Centrum und dem in der Deutschlandhalle kamen insgesamt 16.000 Besucher. Die Kommentare zu Sri Chinmoys letztem Konzert in Berlin zeugen von der inneren Ruhe, dem Frieden und der Freude, die er seinen Zuhörern vermitteln konnte. Sri Chinmoys Schüler organisierten für ihn seit 1984 über 750 dieser Konzerte in 62 Ländern. Der Eintritt zu den Konzerten war stets frei.

„Vor dem Konzert war ich sehr traurig, wütend und ängstlich. Danach hatte sich eine Ruhe in mir ausgebreitet, die einfach toll war.“Nadja, Berlin

Video: Die Highlights von Sri Chinmoys Friedenskonzert-Tournee in Deutschland im Jahr 2005. Eine Station der Tournee war das Internationale Congress Centrum in Berlin, mit der das Video beginnt.

Lyrik und Literatur

120.000 Aphorismen und Gedichte verfasste Sri Chinmoy im Laufe seines Lebens. Man kann sie wie Mantren einsetzen, indem man den Aphorismus oder das Gedicht, das einen tief berührt, auswendig lernt und es immer wieder aufsagt. Sri Chinmoys schriftstellerische Arbeit umfasst zudem Vorträge, Antworten auf Fragen, Theaterstücke, Geschichten und Essays – ein Werk, das in über 1600 Büchern veröffentlicht wurde. Seine Weisheit und sein Erfahrungsschatz vermitteln sehr hilfreiche Kenntnisse für den Weg der Mediation.

Video: Sri Chinmoy liest auf einer Kunstaustellung mit Jharna-Kala-Gemälden eine Auswahl seiner Gedichte und Aphorismen. Das Video begeistert durch Nahaufnahmen von Sri Chinmoys Gemälden.

Sport und Meditation

Wenn man morgens Kopfschmerzen hat oder sich anderweitig krank und müde fühlt, ist es schwer, gut zu meditieren. Um Krankheiten zu vermeiden und kräftig genug fürs Meditieren zu sein, empfahl Sri Chinmoy seinen Schülern, regelmäßig Sport zu treiben. Er selbst war schon in seiner Jugend ein begeisterter und guter Sportler, lief später Marathons und spielte gerne Tennis. 1977 gründete er das Sri Chinmoy Marathon Team, weil er sah, dass Sport ein wesentlicher Baustein für ein erfülltes Leben ist. Das Sri Chinmoy Marathon Team veranstaltet heute Sportwettkämpfe rund um den Globus, vom 2-Meilen-Lauf bis zum längsten zertifizierten Straßenrennen der Welt, dem 3100-Mile-Self-Transcendece Race (nahezu 5000 km lang).

Sri Chinmoy Oneness-Home Peace Run

1987 initierte Sri Chinmoy einen Friedenslauf. Bis heute hat der Sri Chinmoy-Oneness-Home Peace Run Schulkinder, Regierungsorganisationen, Institutionen und religiöse Einrichtungen in über 150 Länder besucht und sie ermutigt, mehr Schritte in Richtung Frieden zu unternehmen.

Sri Chinmoys Initiativen und seine Beiträge auf dem Gebiet der Dichtung, der Literatur, der Musik, der Malerei und des Sports haben weltweit Millionen von Menschen inspiriert und vielen eine Erfahrung inneren Friedens vermittelt.

Seine einfache Botschaft lautet, dass Weltfrieden mit dem Frieden im Einzelnen beginnt, mit dem Frieden im menschlichen Herzen. Wenn wir im Herzen leben, fühlen wir, dass wir alle zu einer Familie gehören. Sri Chinmoys sagt:

Wir alle sind Mitglieder einer Einsseins-Weltfamilie.
Als Brüder und Schwestern wandern wir gemeinsam
auf der Straße der Ewigkeit
dem Gold’nen Sonnenaufgang von morgen entgegen.

Video: Sri Chinmoy Oneness-Home Peace Run – ein globaler Fackellauf für den Frieden

Freundliche Worte über Sri Chinmoy

Zahlreiche herausragende Persönlichkeiten aus allen Lebensbereichen haben Sri Chinmoys Wirken für eine friedvollere Welt und sein kreatives Schaffen geschätzt, darunter Mutter Teresa, Michail Gorbatschow und Leonard Bernstein.

“Mögen wir gemeinsam Gottes Werk weiterführen. Wie wunderbar sind all Ihre Werke für den Weltfrieden und für die Menschheit!”Mutter Teresa

“Ihr liebendes Herz und Ihre tiefe Weisheit sind Gegenstand meiner grenzenlosen Bewunderung.”Michail Gorbatschow

“Welche Kraft ist in der Musik dieses Mannes. Mein musikalisches Empfinden ist zutiefst beeindruckt!… Sie sind ein wunderbares Beispiel der Fülle im kreativen Leben, und ich kann nur hoffen, eines Tages an jener kosmischen Quelle der Stille und der gewaltigen Energie, in der Sie leben, teilhaben zu dürfen.”
Leonard Bernstein, Komponist und Dirigent

Sri Chinmoys Meditationsweg

In diesem kurzen Video beantwortet Sri Chinmoy die Frage nach seiner Philosophie in kurzen Worten. Die zweite Frage lautet: Wie können Menschen Ihre Träume erfüllen. Weitere Videos können Sie sehen auf: srichinmoy.tv

Sri Chinmoy 1999

Fragen an Sri Chinmoy

Welchen Nutzen können wir von der Meditation erhalten?

Sri Chinmoy: Jeder muss sich selbst erfüllen – entweder heute oder morgen. Warum? Wenn wir nicht erfüllt sind, sind wir nicht zufrieden. Jeder will erfüllt sein, jeder will glücklich sein. Ohne glücklich zu sein, können wir nicht auf der Erde bleiben. Trotzdem er ein Multimillionär ist, ist ein reicher Mann unglücklich, weil sein Geld ihm kein Glück und keine Zufriedenheit schenkt. Ohne Glück bleibt er elend. Warum wollen wir glücklich sein? Weil wir Erfüllung wollen.

Wie kann man ewig glücklich sein? Eine Person, die Tausende Dollar verdient, mag fünf Minuten oder einen Tag oder einige Monate lang glücklich sein. Danach wird sie ein gewöhnlicher Bettler werden, weil ihr inneres Leben eine öde Wüste ist. Ewiges Glücklichsein ist, was sie will und was sie braucht. Dieses ewige Glücklichsein bekommt man einzig von der Meditation. Meditation ist die wahre Seele Gottes und gleichzeitig das wahre Herz des Menschen. Das Herz ist in diesem Fall nicht das physische Organ. Es ist der Teil von uns, welcher sich selbst mit anderen identifiziert. Das Herz bedeutet Identifikation, Identifikation mit Wahrheit und Licht. Während der Meditation kann sich ein strebendes Herz selbst mit Wahrheit, Licht und Schönheit, mit Unendlichkeit, Ewigkeit und Unsterblichkeit identifizieren. Aber diese Identifikation ist nicht vollständig; unser untrennbares Einssein mit der Göttlichkeit ist nicht vollständig. Die Identifikation ist eine Sache und Erfüllung ist etwas anderes. Diese Identifikation muss hier auf der Erde manifestiert werden und das ist das Ziel der Seele. Meditation ist die Seele Gottes, Meditation ist das Herz des Menschen. Der strebende Mensch wird zum Herzen; der verwirklichte Mensch ist die Seele.

Was tun wir eigentlich, wenn wir meditieren? Zuerst treten wir in unser höchstes Selbst ein. Danach trifft das höchste Selbst das niedrigste Selbst, um es zu transformieren. Das höchste Selbst muss verwirklicht werden; das niedrigste Selbst muss transformiert werden. Wenn wir meditieren, treten wir in das Höchste ein, um das Brahman zu verwirklichen. Dann treten wir in das Niedrigste ein, um unser Wesen zu transformieren. Die Meditation bietet uns zwei Dinge an: Selbstbeherrschung und Selbstumwandlung. Diese beiden gehören zusammen. Wenn wir meditieren, haben wir sofort die Anfänge der Selbstbeherrschung und wenn wir Selbstbeherrschung haben, sehen wir, dass wir keine hässlichen oder ungöttlichen Gedanken hegen können; wir können nicht länger in der Unwissenheit bleiben. Zu diesem Zeitpunkt sehen wir, dass unsere Transformation gerade stattfindet. Die Meditation schenkt uns beständig die Botschaft der Selbstumwandlung. Vor vielen Jahren lebten wir im Pflanzenreich, danach lebten wir im Tierreich. Jetzt befinden wir uns in einem menschlichen Leben und wir sind bestimmt, in ein göttliches Leben einzutreten. Diese Selbst-Transformation muss durch innere Meditation erfolgen.

Wenn wir unbewusst meditieren, brauchen wir lange, lange Zeit, um das Ziel zu erreichen. Erst wenn wir in der menschlichen Phase sind, beginnen wir, bewusst zu meditieren. Wenn wir bewusst meditieren, machen wir den schnellsten Fortschritt. Ohne Meditation kann kein menschliches Wesen ein untrennbares Einssein mit Gott erlangen. Wenn wir wahren Frieden, wahre Freude, wahre Liebe wollen, dann müssen wir meditieren. Der sogenannte Frieden, den wir in unserem täglichen Leben erfahren, ist fünf Minuten Frieden nach zehn Stunden Angst, Sorgen und Frustration. Aber das ist überhaupt kein Frieden. Wir sind den Affen um uns herum – der Eifersucht, der Furcht, dem Zweifel, den Sorgen, der Angst und der Verzweiflung – schutzlos ausgeliefert. Wenn sich die Affen ein paar Minuten ausruhen, dann sagen wir, dass wir uns des Friedens erfreuen. Aber nein, die Affen sind es lediglich müde geworden, uns zu beißen. Im nächsten Moment werden uns all die negativen Affen-Kräfte wieder angreifen.

Durch Meditation erhalten wir göttlichen Frieden. Selbst wenn wir fünfzehn MInuten meditieren und nur eine Minute lang Frieden erhalten, dann wird diese eine Minute des Friedens – wenn es reeller Frieden ist – in der Lage sein, unseren ganzen Tag zu durchdringen. Wenn wir am Morgen um sechs Uhr meditiert haben, dann werden wir am Abend immer noch inneren Frieden, innere Freude und inneres Licht fühlen. All dies ist solide Kraft, die wir aus unserer Meditation erhalten und diese Dinge halten für einige Zeit an. Wenn wir eine Meditation der allerhöchsten Ordnung haben, dann erhalten wir wirklich beständigen Frieden, Licht und Wonne. Wir brauchen die Meditation, weil wir in das Licht wachsen wollen und uns selbst in Licht und durch Licht erfüllen wollen. Wenn dies unsere Wahl ist, wenn dies unsere Bestrebung ist, wenn dies unser Durst ist, dann ist Meditation der einzige Weg.

Quelle: Meditation: God’s Duty and Man’s Beauty, Sri Chinmoy, 1974, Agni Press